Die Thales-Akademie für Wirtschaft und Philosophie

Die Thales-Akademie für Wirtschaft und Philosophie ermöglicht es Verantwortungsträgern von heute und morgen, eigenständige Antworten auf die drängenden wirtschaftsethischen Herausforderungen unserer Zeit zu finden. Weshalb? Weil diese Herausforderungen schon heute über unternehmerischen Erfolg und die Zukunft unserer Gesellschaft entscheiden.

Frank Obergfell, Lina Berthold, Philippe Merz

Die Idee: Themen, Arbeitsweise – und das Vorbild Thales

Unsere Themen

Das Bedürfnis nach ethischer Orientierung wächst – sowohl bei jüngeren als auch bei erfahrenen Verantwortungsträgern aus Wirtschaft und Gesellschaft. Ebenso wächst die Zahl der Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen: Wie kann ein Unternehmen profitabel und zugleich verantwortungsvoll wirtschaften? Inwiefern ist ein Unternehmen nicht nur eine Vereinigung zum Geldverdienen, sondern auch eine soziale Gemeinschaft? Wie kann es die innere Spannung aus Konkurrenz und Kooperation erfolgreich austragen? Welche Unternehmenskultur wollen wir, und welche ethischen Prinzipien stehen hinter den gängigen Führungsmethoden unserer Zeit? Was verbirgt sich hinter so großen Begriffen wie „Vertrauen“, „Anerkennung“ und „Wertschätzung“ – und wie lassen sie sich im Alltag mit Leben füllen?
Aber auch: Welche ökologische und soziale Verantwortung tragen wir als Konsumenten? Auf welches Verständnis von Gerechtigkeit können wir uns als Gesellschaft heute noch einigen, und welches Maß an Ungleichheit können wir uns moralisch erlauben? Wie können wir außerdem auf die immer stärkere Ökonomisierung unserer Lebenswelt sowie die immer offensivere Infragestellung unserer offenen Gesellschaft reagieren? Diesen Fragen beantworten wir im gemeinsamen Erkenntnis- und Erfahrungsaustausch – bei unserer Weiterbildung, den Inhouse-Veranstaltungen und im Thales-Forum.

Wie wir arbeiten – und wie nicht

Wir sind keine Moralapostel und auch keine Unternehmensberater. Stattdessen bieten wir Ihnen die Möglichkeit, selbstbestimmte Handlungsstrategien für den Umgang mit Mitarbeitern, Kollegen und Geschäftspartnern, aber auch mit sich selbst zu entwickeln. Hierfür bauen wir auf unsere umfangreiche unternehmerische Erfahrung und schlagen zugleich die Brücke von neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zur wirtschaftlichen Praxis. Wie? Indem wir zentrale Einsichten aus der Philosophie, Psychologie und Verhaltensökonomie auf die Herausforderungen des Alltags anwenden – scheuklappenfrei und im lebendigen Austausch.
Wir tun dies, weil es nicht ausreicht, wenn die Themen Unternehmenskultur, Compliance oder Corporate Social Responsibility (CSR) als bloße Marketinginstrumente behandelt werden. Die eigentliche Aufgabe besteht vielmehr darin, Nachwuchs- und Führungskräften das nötige Rüstzeug mitzugeben, um die schnelllebigen und unübersichtlichen Herausforderungen des Alltags eigenständig zu beurteilen und zu bewältigen. Denn letztlich entscheidet nicht die Qualität von Regeln oder ISO-Normen über die Entwicklung eines Unternehmens oder einer Gesellschaft, sondern die Werte und die ethische Haltung jedes Einzelnen.

Warum "Thales"?

Wir haben uns erlaubt, den großen Thales von Milet als Namenspatron zu wählen, weil er wie kein anderer philosophische Klugheit und erfolgreiches Unternehmertum in sich vereint: Vor mehr als 2600 Jahren formulierte er den nach ihm benannten "Satz des Thales" und damit einen Meilenstein der Geometrie, unterteilte das Jahr in 365 Tage, sagte eine Sonnenfinsternis exakt voraus und galt schon unter seinen Zeitgenossen als erster Philosoph überhaupt, weil er die These wagte, dass nicht die Götter, sondern eine physikalische Ursache – nämlich das Wasser – der Anfang aller Dinge sei. Somit war Thales nicht nur ein Pionier der Philosophie, sondern des wissenschatlichen, vorurteilsfreien Denkens insgesamt. Zudem nutzte er – so die Legende – einmal seine Himmelsbeobachtungen, um eine besonders reiche Olivenernte vorauszusagen, pachtete anschließend alle Ölpressen in der Umgebung und vermietete sie zur Erntezeit mit beträchtlichem Gewinn weiter. Durch den Erfolg dieser "Spekulationsstrategie" hätte er als reicher Mann weiterleben können. Doch stattdessen stiftete er einen Großteil des Gewinns, weil er nur zeigen wollte, dass es für einen klugen Mann einfach ist, reich zu werden. Damit folgte er seiner Maxime "Sei maßvoll", in der sich eine höchst aktuelle Verbindung von Theorie und Praxis, von Weisheit und Wirtschaft ausdrückt, die uns gerade heute ein Vorbild sein kann.

Die Köpfe

Dr. Frank Obergfell – Mittelständischer Familienunternehmer und Gründer der Thales-Akademie

In Frank Obergfell schlägt das Herz des Unternehmers und zugleich das des Philosophen. Geboren 1956 in einer Unternehmerfamilie im Schwarzwald, studierte er zunächst Philosophie und Germanistik, um anschließend an der Uni Freiburg zu Immanuel Kant zu promovieren. Daheim in St. Georgen stellte sich jedoch zunehmend die Frage, wer das Unternehmen in die vierte Generation führen könnte. So studierte er noch BWL in Karlsruhe und übernahm mit 30 Jahren die Firma, die seit 1899 innovative Uhren und Messgeräte entwickelt. Seither erlebte er sowohl den unvermeidlichen Abbau eines Unternehmensteils als auch Erfolge mit dem Neuaufbau der KUNDO XT.
Somit kennt Frank Obergfell die Stärken der Marktwirtschaft mit ihrer Freiheit zur Produktentwicklung und Persönlichkeitsentfaltung, aber auch ihre Neigung, die Menschen zu einseitig auf Wachstum, Konsum und Eigennutzen auszurichten. Die sozialen und ökologischen Probleme, die so entstanden sind, beschäftigen zu Recht immer mehr Verantwortungsträger aus Wirtschaft und Gesellschaft. Daher gründete er 2013 die Thales-Akademie als ein unabhängiges Forum für wirtschaftsethische Orientierung.

Dr. Philippe Merz – Geschäftsführer

Philippe Merz ging in Bonn, Arnsberg, Paris und Virginia/USA zur Schule und studierte anschließend als Stipendiat der Studienstiftung Philosophie und Germanistik in Freiburg, Basel und Wien. Bis 2011 forschte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Centre for Security and Society sowie am Husserl-Archiv der Universität Freiburg, wo er bis heute einen Lehrauftrag wahrnimmt. In seiner Dissertation Werterfahrung und Wahrheit entwickelte er eine phänomenologische Ethik im Anschluss an Edmund Husserl. Er lehrt und forscht in Erkenntnistheorie, Metaethik sowie Medizin- und Wirtschaftsethik.
Noch während der Promotion gründete er eine Sommerschule in der Nähe von Rom und lernte dabei durch Zufall Frank Obergfell kennen. Gemeinsam begeisterten sich beide für die Idee, die Thales-Akademie aufzubauen, um heutige und zukünftige Verantwortungsträger in ihrem eigenständigen Denken und verantwortungsvollen Handeln zu begleiten.
Philippe Merz führt die Geschäfte der Thales-Akademie, leitet die Inhouse-Veranstaltungen und ist Dozent in der Weiterbildung Wirtschaftsethik.

Luana Farinelli – Assistentin der Geschäftsführung

Luana Farinelli ist eine geradezu prototypische Europäerin: Sie stammt aus Teramo im südlichen Italien, wo sie am naturwissenschaftlichen Gymnasium Albert Einstein ihr Abitur ablegte. Anschließend studierte sie mit Begeisterung Philosophie und Geschichte an der Universität L'Aquila und lernte während eines Auslandsjahres an der Universität Freiburg Süddeutschland kennen und lieben. Im Jahr 2006 kam sie daher zurück nach Freiburg und arbeitete fortan als Verwaltungsmitarbeiterin bei zwei mittelständischen Unternehmen, aber auch als VHS-Lehrerin für Italienisch und als Gästeführerin für die Stadt Freiburg. So bleibt sie nicht nur ihren italienischen Wurzeln verbunden, sondern kann auch täglich die Brücke zwischen den europäischen Kulturen schlagen – was derzeit wichtiger erscheint denn je.

Als Assistentin der Geschäftsführung ist sie für alle organisatorischen und administrativen Aufgaben verantwortlich. Sie erreichen Luana Farinelli für Veranstaltungsanfragen oder Interesse an unserer Weiterbildung "Wirtschaftsethik" entweder per Mail oder telefonisch unter: 0761 – 290 800 10.

Lina Berthold – Veranstaltungsorganisation und Kommunikation

Lina Berthold wurde im grauen Paderborn geboren und floh nach dem Abitur zunächst zur entferntesten noch deutschsprachigen Uni: nach Wien. Die Frage, wie menschliches Zusammenleben gelingen kann, motivierte sie zum Studium der Politikwissenschaften. Hier widmete sie sich vorrangig der Globalisierung und Staatsorganisation, daneben aber auch dem Studium der Café- und Konzerthäuser. Anschließend führte ihr Weg nach Düsseldorf, wo sie Philosophie und Geschichte studierte, um den Wurzeln des authentischen Lebens auf die Spur zu kommen. In einer Ausbildung zum Coach vertiefte sie ihr Wissen zur Umsetzbarkeit von Glückskonzepten und zu den psychologischen Faktoren für Zufriedenheit. Doch klimatisch konnte auch Düsseldorf ihr keine Glücksbedingungen bieten, sodass ihr Weg sie 2012 nach Freiburg führte.
Hier findet sie heute ihr Glück bei ihrem Masterstudium in Philosophie, als Yogalehrerin und in Freiburgs Sonnenschein. Bei der Thales-Akademie organisiert sie die Veranstaltungen und ist Ansprechpartnerin für Kooperationspartner und die Teilnehmenden der Weiterbildung.

Lukas Heck – Veranstaltungsorganisation und Kommunikation

Lukas Heck (Jg. 1992) hielt es nach dem Abitur vorerst in seiner Heimat Freiburg, wo er eine Ausbildung als Industriekaufmann in einem verantwortungsvollen Unternehmen der Lebensmittelbranche absolvierte. Im Betrieb sammelte er dabei wertvolle Erfahrungen im Qualitäts- und Nachhaltigkeitsmanagement. Nach Abschluss der Ausbildung stand für ihn fest, dass nur ein weiterführendes Studium ihm den Weg zur persönlichen Erfüllung ebnet. Seit 2016 studiert er im Bachelor Umweltwissenschaften an der Leuphana Universität in Lüneburg. Dabei liegt sein Fokus im humanwissenschaftlichen Bereich wie Nachhaltigkeitskommunikation, -management und -politik.
In seiner Freizeit verhelfen Sport, Konzerte und Literatur zu frischem Wind und einem heiteren Gemüt.
Für das derzeitige Praktikum will er sich dem Bereich der Wirtschaftsethik nähern und wirkt hierfür tatkräftig in der Veranstaltungsplanung und Kommunikation mit. Die Thales-Akademie liegt ihm als Praktikumsstelle am Herzen wegen der tollen Atmosphäre, des wertvollen Inputs und des weitsichtigen, charismatischen Teams.

Unser Beirat: Erfahrung und Stimmenvielfalt

Dr. Markus Kerber – Vorsitzender des Beirats

Markus Kerber, Ulmer Jahrgang 1963, studierte Volkswirtschaftslehre in Hohenheim und California/USA. Nach seiner Promotion und Erfahrungen im Bankensektor ergriff er 1998 die Möglichkeit, den Börsengang der GFT Technologies AG als Finanzvorstand mitzugestalten. Anschließend engagierte er sich in der Bundespolitik, wo er bis 2006 unter Wolfgang Schäuble die Islamkonferenz organisierte und ab 2009 die Abteilung für finanzpolitische und volkswirtschaftliche Grundsatzfragen im Finanzministerium leitete.

Von 2011 bis 2017 war er Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI e.V.). Die Führung dieses größten deutschen Industrieverbands prädestiniert auf den ersten Blick vielleicht nicht zur Mitwirkung bei der Thales-Akademie, doch Markus Kerber betont: "Ich bin fest überzeugt, dass unsere freiheitliche marktwirtschaftliche Ordnung eine ethische Neubegründung benötigt, die den Menschen in den Mittelpunkt aller Überlegungen stellt – auch, um gegen autokratische Staatswirtschaften des Ostens zu bestehen. Es ist mir daher ein Anliegen, Verantwortungsträgern die Auseinandersetzung mit diesen wichtigen Zukunftsfragen zu ermöglichen."

Christine Strobl – Geschäftsführerin ARD Degeto Film GmbH

Die Juristin Christine Strobl kam 1999 als Trainee zum SWR. Nach Stationen bei SWR4 Baden-Würrttemberg, bei der Intendanz in Stuttgart, als Leiterin des Kinderprogramms sowie als Hauptabteilungsleiterin des Film- und Familienprogramms wechselte sie im Jahr 2012 als Geschäftsführerin zur Degeto Film GmbH, einer 100%igen Tochter der ARD. Mit einem Jahresbudget von rund 400 Millionen Euro erwirbt und entwickelt die Degeto fiktionale Programme für das ARD-Gemeinschaftsprogramm Das Erste und die weiteren ARD-Programme wie EinsFestival und die Dritten: Von den 1310 Filmen, die 2015 im Ersten ausgestrahlt wurden, entstanden 1034 mit Beteiligung der Degeto. Seit 2012 koordiniert Christine Strobl zudem die Filmförderung der ARD und vertritt die ARD im Vergabeausschuss der Filmförderungsanstalt FFA.

Christine Strobl engagiert sich für die Thales-Akademie nicht nur aus alter Verbundenheit zu ihrer Geburtsstadt Freiburg, sondern weil sie aus eigener Erfahrung weiß, wie wichtig eine verantwortungsvolle Unternehmensführung und gute Unternehmenskultur ist.

Prof. Dr. Hans-Helmuth Gander – Direktor des Husserl-Archivs und Dekan an der Universität Freiburg

Hans-Helmuth Gander, geboren 1954, studierte Philosophie, Psychologie, Kunstgeschichte, Germanistik, Theaterwissenschaft und Volkswirtschaftslehre in Köln, Saarbrücken und Freiburg. Nach seiner Promotion und Habilitation forschte er an den Universitäten Freiburg, Stuttgart und Tübingen, bis er 2003 Direktor des Husserl-Archiv an der Uni Freiburg wurde. Seit 2010 ist er auch Dekan der hiesigen Philosophischen Fakultät. Zudem engagiert er sich in verschiedenen Gremien wie dem Senat, der Neuen Universitätsstiftung, dem Centre for Security and Society, dem University College Freiburg oder dem Deutschen Tagebucharchiv.

Neben seiner erkenntnistheoretischen und ästhetischen Forschung beschäftigt er sich mit Politischer Philosophie, die für ihn zugleich die Brücke zur Thales-Akademie bildet: "Am Konzept der Thales-Akademie begeistert mich das Ziel, Ökonomie und Philosophie so zu verbinden, dass die Praxis von Entscheidungsträgern durch Theorien reflektiert wird, die sich um eine wohlgeordnete Gesellschaft und ein gelingendes Leben bemühen."

Dr. Christoph Münzer – Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbands in Baden (wvib e.V.)

Dr. Christoph Münzer

Christoph Münzer, geboren 1962 in Gengenbach, studierte Volkswirtschaftslehre in Freiburg und Portland/USA. Nach seiner Promotion zur Bankenregulierung sammelte er Erfahrungen bei der IHK Freiburg und Pfizer, bevor er ab 1996 den Arbeitgeberpräsident Dr. Hundt bei Südwestmetall sowie bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) als Referent begleitete. Anschließend vertrat er für mehrere Jahre die Bundesarchitektenkammer (BAK) als Geschäftsführer.

Seit 2003 leitet er den Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen in Baden (wvib e.V.), der mehr als 1000 südwestdeutsche Familienunternehmen mit mehr als 180.000 Mitarbeitenden verbindet, um den Wissens- und Erfahrungsaustausch zu fördern. Christoph Münzer engagiert sich für die Thales-Akademie, "weil der Mensch erst durch Bildung zum Bürger wird. Mit ihren wirtschaftsethischen Angeboten eröffnet die Thales-Akademie einen Zugang zu den Wurzeln unseres Denkens und bietet so ganz neue Perspektiven für unser Handeln – gerade für den beruflichen Alltag von Unternehmern und Verantwortungsträgern."

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