Die Digitalisierung der Arbeit liest sich wie eine Erfolgsgeschichte: Seit den 70er Jahren hat Computertechnologie zahlreiche Berufsfelder von lästigen, repetitiven Verwaltungsaufgaben befreit, viele Tätigkeiten aufgewertet und hohe Produktivitätsgewinne erzeugt. Zuletzt konnten Millionen Menschen während der Corona-Pandemie dank Kollaborationssoftware und cloudbasiertem Datenaustausch im Home-Office bleiben.

Doch die digital-agile „New Work“-Welt hat eine Kehrseite: Computertechnik ist nicht mehr nur ein Werkzeug, das Handlungsspielräume erweitert, sondern zunehmend auch ein Steuerungs- und Überwachungsinstrument, das die Autonomie der Arbeitenden in Frage stellt. Von Gigworking-Platt- formen über ERP-Software bis zur Industrie 4.0 werden immer mehr Tätigkeiten in die Cloud verlagert, digital erfasst und nach dem Motto „tracking, rating, scoring“ einem algorithmischen Kontrollapparat unterworfen.

Das Seminar diskutiert zunächst die Chancen und Risiken digitalisierter Arbeit auf Basis von Kurzinputs und aktuellen arbeitssoziologischen Analysen. Mit diesem Hintergrundwissen wollen wir im zweiten Teil nach einem konstruktiven Umgang mit digitalen Arbeitstools im Alltag fragen: Was ist „gute“ digitale Arbeit? Wie lassen sich digitale Arbeitsprozesse erfolgreich und nachhaltig implementieren? Wie sieht eine digitale Unternehmensinfrastruktur aus, die die Kreativität der Beschäftigten fördert und ihre Autonomie bewahrt? Die praktischen Erfahrungen der Teilnehmenden sollen dabei mit Design-Thinking-Methoden und Gruppendiskussionen verknüpft und theoretisch reflektiert werden

Seminar: „Digitalisierung der Arbeitswelt“ mit Dominik Piétron. Er studierte Philosophie sowie Politik- und Wirtschaftswissenschaften in Leipzig und Paris. Nachdem er den Aufbau einer digitalen Arbeitsplattform in der Freien Wohlfahrt begleitete, ist er aktuell als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrbereich Soziologie der Zukunft der Arbeit an der Humboldt-Universität zu Berlin beschäftigt. Er forscht und schreibt zum Thema Datensouveränität im digitalen Kapitalismus.

Termin: 22./23. April 2022, Freitag 16:30 – 21:30 Uhr, Samstag 09:30 – 13:30 Uhr
Ort: Online via Zoom
Kosten: 540 Euro
Anmeldung: Für Ihre Anmeldung gehen Sie bitte auf unsere Anmeldeseite der Digitalethik: https://www.thales-akademie.de/anmeldung-digitalethik/. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, die Plätze werden nach dem Zeitpunkt der Anmeldung vergeben.

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