Große Transformationsprozesse wie die Digitalisierung sind mehrdeutig und vielschichtig. Das macht die wissenschaftliche Analyse aufwändig, bietet aber zugleich viele konkrete Gestaltungsmöglichkeiten – in Wirtschaft wie in Politik. Dies gilt insbesondere für das noch vergleichsweise junge Phänomen des „Digitalen Kapitalismus“. Wie schon bei vorherigen Technologiesprüngen, etwa in der „New Economy“, können wir auch hier eine Mixtur aus nahezu ungezügeltem Wachstum, verbunden mit starken Oligopol-Tendenzen, beobachten.

Wird sich diese Dominanz weniger Tech-Giganten aus den USA, Russland oder China fortsetzen, die sich bislang erfolgreich demokratischer Kontrolle entziehen, etwa wenn es um Datenschutz, Sozialversicherung, Haftung oder Sicherheit geht, aber auch um ihre Besteuerung? Welchen Einfluss hat der Wandel hin zum digitalen Kapitalismus auf Produzent:innen und Konsument:innen? Und inwieweit verschärft er die soziale Ungleichheit?

Übersehene Chancen für einen ethisch verantwortungsvollen, demokratisch legitimierten Weg

Zur Beantwortung solcher Fragen hilft ein international vergleichender Blick auf verschiedene Arten von Kapitalismen und die sie gestaltenden Wohlfahrtsstaaten, um die Auswirkungen der Digitalisierung in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft besser zu verstehen. Dabei wird sichtbar, dass gerade die Varianz dieser Kapitalismen große und bislang oft übersehene Chancen für einen spezifisch europäischen Weg bietet – also einen ethisch verantwortungsvollen, demokratisch legitimierten Weg zwischen der autokratischen Strategie Chinas und dem Datenkapitalismus der USA. Das Seminar gibt Einblicke in diese Entwicklungen und Herausforderungen und ermöglicht den Teilnehmenden, anhand vielfältiger Impulse sowie Plenums- und Gruppenarbeit das eigene Hintergrundwissen zu vertiefen und die eigene Haltung zu stärken.

Das Seminar „Digitaler Kapitalismus“ ist ein Seminar aus unserem CAS Digitalethik mit Prof. Dr. Daniel Buhr. Er ist Leiter des Steinbeis-Transferzentrum Soziale und Technische Innovation sowie außerplanmäßiger Professor an der Universität Tübingen. Er arbeitet an der Schnittstelle von Wirtschaft und Politik und berät dort verschiedene internationale Organisationen sowie Ministerien, Unternehmen, Gewerkschaften und Stiftungen. Zuvor war er lange in leitender Position im Bereich Marketing und Kommunikation tätig.

Termin: 29./30. Juli 2022 , Freitag 16:30 – 21:30 Uhr, Samstag 09:30 – 13:30 Uhr, Online
Kosten: 490 Euro
Anmeldung: Für Ihre Anmeldung gehen Sie bitte auf unsere Anmeldeseite der Digitalethik: https://www.thales-akademie.de/anmeldung-digitalethik/