Zu den traditionellen Zielen der Medizin zählen die Vermeidung von Krankheit, die Linderung von Schmerzen und Leid, die Heilung und Pflege von Kranken sowie die Unterstützung bei einem friedlichen Tod. Das klingt vertraut und geradezu selbstverständlich – doch sobald wir diese Ziele umsetzen wollen, stehen wir vor weitreichenden Fragen: Wer ist eigentlich „gesund“ und wer „krank“? Wie weit reicht der Auftrag der Medizin, Leiden zu lindern? Wer definiert einen „friedlichen Tod“?

Wie wir diese Fragen beantworten, hängt nicht nur vom jeweiligen Stand der Wissenschaft ab, sondern mindestens ebenso sehr von unserem Menschenbild, von gesellschaftlichen Normen und kulturellen Wertvorstellungen.

Im Seminar widmen wir uns daher unterschiedlichen Konzepten von „Gesundheit“ und „Krankheit“ und schärfen so zugleich den Blick für unsere eigene Gegenwart. Damit eng verbunden ist die Frage, wie die Medizin sich selbst versteht und wie sehr sie versucht, die immer perfektionistischeren Wünsche der Menschen zu erfüllen oder diese sogar zu verstärken, sei es durch Anti-Aging- und Enhancement-Angebote oder das Einfrieren weiblicher Eizellen für die spätere Befruchtung. Diese Beispiele zeigen, wie sehr wir mittlerweile dazu neigen, Unzulänglichkeiten, Gebrechen und Leid zurückzudrängen oder sogar ganz zu überwinden. Was verrät diese Dynamik über den Wandel in unserem menschlichen Selbstverständnis und unserem Verständnis des „guten Lebens“? Und wie wirken sich diese Einstellungen auf unsere Lebensführung und unseren Umgang mit Patient/innen, Kund/innen oder Kolleg/innen aus?

Das Seminar „Ethische Herausforderungen im Lebensverlauf“ ist Teil der CAS-Weiterbildung Medizinethik und wir von Prof. Dr. Claudia Bozzaro geleitet. Sie ist Philosophin und Medizinethikerin an der Universität Kiel. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen Reproduktionsmedizin, Ethik des Alterns, Konzepte von Schmerz und Leiden, Ethikberatung und ethische Problemfelder am Lebensende. Im Jahr 2013 erhielt sie den Nachwuchspreis der Akademie für Ethik in der Medizin und im Jahr 2017 den Albert-Bürklin-Preis der Wissenschaftlichen Gesellschaft Freiburg.

Termin: 16./17. September 2022 , Freitag 16:30 – 20:30 Uhr, Samstag 09:00 – 15:30 Uhr
Ort: In Präsenz im Liefmann-Haus der Universität Freiburg (Goethestraße 33).
Kosten: 540 Euro. Wir arbeiten nicht gewinnorientiert; die Teilnahmegebühr dient der Kostendeckung.
Anmeldung: Für Ihre Anmeldung gehen Sie bitte auf unsere Anmeldeseite der Medizinethik: https://www.thales-akademie.de/anmeldung-medizinethik/